Kampf im Klassenzimmer – Argumente gegen Rechts 2

Einleitung: https://kaiserlichemajestaet.wordpress.com/2014/11/23/argumente-gegen-rechts-1-worum-geht-es/

2010 wurde die Dokumentation Kampf im Klassenzimmer ausgestrahlt. Siehe auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_im_Klassenzimmer

In der etwa 45-minütigen Dokumentation wurden Lehrer bei ihrer Arbeit begleitet, die in einer Schule unterrichteten, in der rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus türkischen, kurdischen oder libanesischen Familien stammten und die sich zudem in einem sogenannten sozialen Brennpunkt befand. Die deutschen Schüler – so die Autoren – gerieten in eine Opferrolle und wurden zum Teil beschimpft und geschlagen. Die Schüler mit Migrationshintergrund hatten dort laut den Direktoren „eindeutig das Sagen“, worauf die deutschen Schüler wiederum „mit Aggression oder Überanpassung“ reagierten. Lehrer wie Schulleitung versuchten, die dabei auftretenden Konfliktsituationen durch klare Regeln sowie Zusatzangebote zu lösen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen „2-3 deutsche Schülerinnen und Schüler“ und die Frage, wie diese „die Situation erleben.“ Die Dokumentation solle „Situationen von Verstehen und Nichtverstehen“ einer Schulklasse zeigen.

In Diskussionen, die ich im Laufe der letzten Jahre mit Einwanderungs- und Islamkritikern geführt habe, wurde einige Male diese Dokumentation verlinkt, um auf die Situation an Schulen aufmerksam zu machen. Es gibt ein interessantes Interview zu dieser Dokumentation, welches leider nur recht unbekannt zu sein scheint. Deswegen möchte ich es hier einmal verlinken: http://www.alternative-kommunalpolitik.de/images/dateien/Tschuter-Interview_lang.pdf

Es folgen einige Zitate daraus:

Wie haben Sie die Drehtage an der Schule
und die Zeit danach erlebt?

Das Team stellte sich bei mir vor, und wir haben über die verschiedenen Bereiche der Schule gesprochen, in denen Aufnahmen möglich und sinnvoll sind. Ich bin davon ausgegangen, dass ich auch noch interviewt werde und wir danach die Erfahrungen der Drehtage gemeinsam nachbesprechen. Stattdessen hörte ich irgendwann am letzten Drehtag gegen Mittag, die Leute vom Fernsehen seien schon wieder weg!
Im Film werden nur Teile der Diskussion gezeigt; es kommt hauptsächlich ein kurdischer Schüler zu Wort, der sich mit pubertärer Großkotzigkeit vor der Kamera produziert.
Und dann die BILD-Zeitung mit ihrem
Aufmacher von der „Horrorschule“. Sehen Sie sich doch mal die vier Jungen an (zeigt auf das Photo links, das die BILD als Aufmacher verwendet hat): Sieht das vielleicht nach „Kampf im Klassenzimmer“ aus? Es sind zwei deutsche und zwei moslemische Schüler zu sehen, die die Arme umeinander gelegt haben und die Fäuste spielerisch ballen. Das Photo strahlt keinerlei Aggressivität aus. Im ganzen Film war keine aggressive Szene zu sehen. Die Schüler, die Eltern und die Lehrer waren jedenfalls durchweg sehr betroffen von dem Bild, das da von ihnen und ihrer Schule gezeichnet worden ist.

[…]

• Der Jugendliche selbst, der vor der Kamera so großkotzig tut, gehört zu den vernünftigen, leistungsbereiten und friedlichen Schülern.
• Das Team hat gefilmt, wie einige türkische und libanesischeMädchen mir beim Dekorieren der Adventskränze helfen. Davon ist im Film nichts zu sehen.
• Gewalt und Mobbing kommen unter Schüler generell vor, und zwar in allen Schulformen.
Wir haben z.B. immer wieder mal Schüler, die von einer Real- oder Gesamtschule zu uns wechseln, weil sie dort gemobbt worden sind und sich bei uns wegen des besseren Zusammenhalts unter den Schülern wohler fühlen.
Und in Karnap hatten wir immer wieder Schüler, die auch längere Schulwege in Kauf nahmen, obwohl eine andere Hauptschule für sie näher lag.
• Wir hatten vor etwa drei Jahren tatsächlich gravierende Probleme mit einer Gruppe libanesischer Jugendlicher in den Klassen 7 und 8, die durch ihr Desinteresse und ihre Respektlosigkeit das Unterrichten schwer gemacht und das Klassen- und Schulklima stark bestimmt haben. Daraufhin habe ich in Zusammenarbeit
mit der libanesischen Moschee in Katernberg, mit dem dortigen Jugendschutzbeamten und mit derAWO einen arabischen Elternabend veranstaltet, auf dem die Probleme von beiden Seiten offen angesprochen
wurden. Auch im Unterricht diskutierten der Moschee-Mitarbeiter und ein paar libanesische Eltern mit den Kindern.
• Ich habe außerdem mit Unterstützung des Jugendamtes ein Coolness-Training für Jungen mit Migrationshintergrund und ein Kompetenztraining für libanesische Mädchen organisiert.
Leider waren die finanziellen Mittel so begrenzt, dass beide Projekte nach acht Wochen schon wieder abgebrochen werden mussten. Das Training für die Mädchen haben wir dann noch ein halbes Jahr über unsere eigenen Schulmittel weiterfinanziert.
• Das Ergebnis war, dass es gerade die beiden letzten Jahre zwischen unseren knapp 180 Schülern sehr friedlich, ja sogar familiär zuging.
• Es stehen für alle 13 Essener Hauptschulen nur 4 oder 5 Sozialarbeiter zur Verfügung, so dass sich jeweils zwei Schulen einen teilen müssen. Wir haben seinerzeit darauf verzichtet, da wir auch so einigermaßen klargekommen sind.
Also um es klar zu sagen: Die Hauptschule in Karnap war nie eine „Horrorschule“!
Wir haben Probleme gehabt, keine Frage, aber die haben wir nicht totgeschwiegen, sondern wir sind offensiv mit ihnen umgegangen, und deshalb haben wir auch einiges Positive bewirkt.

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Eine Antwort

  1. Offtopic-Kommentare bitte hier einstellen: https://kaiserlichemajestaet.wordpress.com/2014/11/01/fur-kommentare-und-anmerkungen/

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