Die Anzahl der politisch motivierten Gewalttaten und Verletzten durch Rechtsextreme, Linksextreme und Ausländer zwischen Juni 2010 und Juni 2012 im Vergleich

Hier folgt nun eine Zusammenfassung von politisch motivierten Gewalttaten der letzten zwei Jahre. Einmal werden rechtsextrem motivierte, einmal linksextrem motiverte und einmal „ausländisch motivierte“ Gewalttaten aufgezählt. Bezüglich der politisch motivierten Gewalttaten von Ausländern merke ich hier noch einmal an, dass diese auch Gewalttaten umfassen können, die z.B. zwischen Ausländern stattgefunden haben (z.B. zwischen Türken und Kurden), auch islamistisch motivierte Gewalttaten werden hier mitgezählt.

Warum ich diese Zusammenfassung angefertigt habe? Erstens habe ich den Eindruck, dass Leute gerne Taten gegeneinander aufrechnen wollen, was ich für absurd halte. Beschäftigt man sich z.B. einige Zeit mit rechtsextremen Gewaltaten und deren Opfern, findet man schnell Leute, die sich davon provoziert fühlen und dann anführen müssen, dass „die Linken“ oder „die Ausländer“ viel schlimmer seien. Gerne wird hier alles in einen Topf geworfen, obwohl dies gar nicht möglich ist. So werden Gewaltopfern von Rechtsextremen schnell Tausende, durch Ausländer ermordete oder verletzte Deutsche, gegenübergestellt. Den Unterschied des Tatmotivs (und somit, ob es überhaupt eine Tat war, die man mit rechtsextremen Taten vergleichen kann) lässt man dabei außen vor. Ziel ist es, eine Art Bedrohungszenario entstehen zu lassen. Ausländer sollen möglichst gefährlich wirken. Schließlich muss man ja einen Grund haben, um sie in ihre „Heimatländer“ „zurückzuführen“ und die Grenzen für zukünftige Einwanderer zu schließen.

Zweitens finde ich es interessant, wenn man mal die Verhältnisse (qualitativ) genauer vergleichen kann. Es werden sich auch deutliche Unterschiede zeigen.

Teilweise wird auch argumentiert, dass Deutsche Opfer zweiter Klasse seien. Man regt sich auf, dass auf „ausländische“ Opfer umfangreiche Medienberichte und Reakionen aus der Gesellschaft und der Politik folgen würden. Tatsächlich ist dies nur bei der Spitze des Eisberges der Fall. In den letzten zwei Jahren gab es über 1100 Opfer rechtsextremer Gewaltaten, davon über 500 aus fremdenfeindlichem Motiv. In den Medien hört man aber nichts.

Auch wird gerne behauptet, dass es keine Statistiken zu ausländerextremistischen Taten gäbe, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Tatsächlich gibt es solche Zahlen. Sie werden jährlich in Berichten über politisch motivierte Kriminalität erwähnt. Auch einige Bundesländer führen solche Statistiken.

Die Zahlen, die ich rausgesucht habe, lassen sich untereinander vergleichen. Hier kann man eine Gegenüberstellung zwischen rechtsextremen, linksextremen und ausländerextremen Taten vornehmen. Die Zahlen basieren auf Anfragen einiger Bundestagsabgeordneter und werden monatlich angefragt. Zu beachten ist, dass die Antworten der Bundesregierung einen vorläufigen Stand angeben. Ich habe die Zahlen nicht mit den Jahresberichten abgeglichen. Finden kann man die Anfragen unter anderem hier: http://offenesparlament.de/person/dr-gunter-krings-cducsu?page=1. Als Sicherung habe ich die PDFs hier auch noch einmal auf das Blog hochgeladen: Antworten der Bundesregierung von Juni 2010 bis Juni 2012

Zuerst folgt ein Überblick über die politisch motivierte Gewalttaten:

Wie man sieht, ist die Anzahl der linksextremen Gewalttaten fast doppelt so hoch, wie die der rechtsextremen. Die Anzahl der Verletzten liegt bei den linksextremen Gewaltaten jedoch nur etwas höher.

Die Anzahl der Gewaltaten mit ausländerextremistischem Hintergrund liegt insgesamt erheblich niedriger. Es gab jedoch zwei Todesopfer. Es handelt sich dabei um die zwei US-Soldaten, die Opfer des islamistischen Terroranschlags auf dem Frankfurter Flughafen im Frühjahr 2011 wurden.

Zum besseren Vergleich zeige ich jetzt die Aufschlüsselung der Taten nach dem Tatmotiv.

Rechtsextrem motivierte Gewalttaten sind zu ca. 50% durch Hass oder durch Fremdenfeindlichkeit motiviert. Ungefähr ein Drittel der Taten sind Konfrontationen mit Linken. Die restlichen Taten richten sich gegen die Polizei oder sind antisemitisch motivert.

Linksextreme Gewaltaten richten sich fast vollständig auf Polizisten und Rechtsextreme. Fremdenfeindliche und antisemitische Gewalttaten kommen gar nicht vor, die Anzahl der Gewalttaten aus Hass und besonders die Anzahl der Verletzten sind erheblich geringer als bei rechtsextremen Gewalttaten. Die Anzahl der verletzten Polizisten beträgt ein Vielfaches, im Vergleich zu den rechtsextremen Gewaltaten.

Die politisch motivierten Gewalttaten von Ausländern sind hauptsächlich durch Hass motiviert oder richten sich gegen die Polizei. Wie zu erkennen ist, decken die vier Kategorien nur ungefähr die Hälfte der Gesamtwerte ab. Wie sich die zweite Hälfte der Taten zusammensetzt kann ich somit nicht sagen.

Hier sind die Daten noch einmal als PDF: PMK-rechts-links-ausländer von Juni 2010 bis Juni 2012

Ich hoffe mal, ich habe die Daten alle richtig eingetragen und nicht irgendwo einen Zahlendreher. Wer Lust hat, kann die Werte ja gerne noch einmal gegenlesen. Wenn ich irgendwo einen Fehler haben sollte oder etwas unvollständig ist, dann kann ich das anpassen. Einfach einen Kommentar schreiben.

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13 Antworten

  1. Offtopic-Kommentare bitte hier einstellen: https://kaiserlichemajestaet.wordpress.com/2012/04/01/kommentare-und-anmerkungen/

    Achtung!!! Kommentare werden grundsätzlich automatisch freigeschaltet. Jedoch löscht der Spamschutz von WordPress Kommentare, die er für Spam hält (z.B: bei vielen Links). Deswegen sollte man den Kommentar vor dem Absenden sicherheitshalber kopieren. Wird der Kommentar von WordPress nicht akzeptiert, dann hilft es vielleicht, ihn in mehrere kleinere Kommentare zu unterteilen.

  2. Schließt die „PKM-Ausländer“ auch die polizeilich registrierten Gewalttaten durch Ausländer in öffentlichen Verkehrsmitteln ein, also S- und U-Bahnschläger? Ich denke, hier ist auch die Dunkelziffer relativ hoch, d.h., kleinere Übergriffe ohne größere Folgen/Schäden bleiben vermutlich außen vor.

    Ansonsten fällt mir noch auf, dass linksextreme Gewalt ein zahlenmäßig viel größeres Problem als rechtsextreme Gewalt ist. Seltsamerweise hört man immer nur vom „Kampf gegen Rechts“. Komische Republik.

  3. Ach so, mein Fehler: Es wurden ja nur politisch motivierte Gewalttaten registriert. Bitte ignorieren Sie den ersten Absatz meines Kommentars.

  4. Die Frage ist auch, ob viele Gewalttaten auch als rassistisch/politisch motiviert registriert werden. Jüngstes Beispiel (SZ): Ein Biodeutscher hat einem Türken in München eine Flasche im Gesicht zerschlagen. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei bei dem Biodeutschen in der Wohnung zahlreiches rechtsradikales Material und ein Hitlerportrait. Dennoch weigert sich die Polizei den Fall als rassistisch oder gar rechtsradikal einzustufen.Und die Verlaufsform des NSU-Skandals zeigt uns auch recht gut, wie willkürlich und falsch da oft sortiert wird.

  5. Noch ein technischer Tip: Ich weiss zwar, dass in KM ein Statistiker verloren gegangen ist, aber die letzten zwei Statistiken sind optisch nicht lesbar–es denn ich bräuchte einen Augenarzt.Falls sonst jemand die Zahlen erkennt,teile er mir dies bitte mit.

  6. Man muss das differenzierter sehen. Der „Biodeutsche“ kann dem „Ali“ ja auch die Flasche in die Fresse gedonnert haben, weil dieser die Freundin des Täters angemacht hat oder ihn anderweitig provoziert hat (natürlich keine Entschuldigung). Die Tat muss somit nicht zwangsläufig in Verbindung mit der politischen Einstellung des Täters stehen, wobei der Verdacht sicherlich berechtigt ist.

    Allerdings war ich ehrlich erstaunt, dass überhaupt ein „Biodeutscher“ einen türkischen Migranten angreift. Ich kenne das aus den Medien eigentlich (fast) nur andersherum. Meistens fallen dann Sprüche wie „Ey Alda, gib Handy“ oder „Isch f*ck Deine Mudda“ – manchmal auch „scheiss Kartoffel“ – was dann aber sicher in den meisten Fällen auch nicht als rassistischer Übergriff gewertet wird.

  7. Klicken Sie mal auf das Bild der Tabelle, dann wird es vergrößert geladen.

  8. Die Ausländerstatistiken sind für die Katz.

    Keiner weiß nämlich, ob es hier um Touristen oder in DE lebende Ausländer geht.

    Ebenfalls fehlt in der PKS eine Gruppierung nach „Migrationshintergrund“.

  9. Keiner weiß nämlich, ob es hier um Touristen oder in DE lebende Ausländer geht.

    Wenn dort einige Touristen unter den Tätern sind, dann ist die Zahl der hier lebenden ausländischen Täter natürlich noch etwas geringer.

    Um die PKS geht es hier übrigens nicht. Die hat aber auch nur geringe Aussagekraft, da dort nur tatverdächtige Personen aufgeführt werden und keine überführten Straftäter. Die PKS behandle ich vermutlich in den nächsten Beiträgen. Das ist aber relativ aufwendig. Mal schauen, wie ich das zeitlich schaffe.

    Ein Migrationshintergrund ist insoweit unbedeutend, da die Täter als Deutsche nach deutschem Strafrecht behandelt werden. So soll es ja auch sein.

  10. Die Zahl ausländischer Tatverdächtiger ist nach wie vor sehr hoch in Relation zur Anzahl der hier lebenden Ausländer. Ich begrüße ferner ebenfalls eine Gruppierung nach „Migrationshintergrund“, dann kennt man seine Pappenheimer gleich besser! Ob die Ausländer nun einen deutschen Pass haben oder nicht, juckt mich als normaler Bürger nicht.

  11. Ich finde eine Unterteilung nach sozialem Hintergrund der Täter sinnvoller.

  12. Ich wurde letztes Jahr ebenfalls von einer Hand voll Migranten aus rassistischen Gründen zusammengeschlagen, aber man findet mich garantiert nicht in der Statistik wieder, da das Verfahren – wen wunderts – (trotz zwei Operationen) eingestellt wurde.
    Die Dunkelziffer wird mindestens 20 – 30x höher sein, denn JEDER hat schonmal, auch wenns nur beim zuschauen blieb, mit Ausländerkriminalität zu tun gehabt.

  13. Fälle wie Ihrer werden ebenfalls in der hier erwähnten Statistik aufgeführt, da hier der Staatsschutz ermittelt (hier handelt es sich dann um unechte Staatsschutzdelikte). Verfahrenseinstellungen spielen dabei keine Rolle, da es hier um Zählungen handelt, die bereits wenige Wochen nach dem jeweiligen Vorfall bekanntgegeben werden.

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