Andreas Molau im Interview mit Patrick Gensing und zum Ausstieg aus pro NRW

Patrick Gensing hat ein Interview mit Andreas Molau geführt und dieser hat dort einige Aussagen gemacht, die ich einmal festhalten möchte:

Update 04.08.2012: Ich habe noch ein paar Zitate aus einem Interview von Cicero.de (Stefan Laurin) mit Andreas Molau eingefügt.

[…]

Molau: Selbstverständlich habe ich ein Weltbild, das geprägt ist von der Lektüre, die ich seit meinem 16. Lebensjahr gelesen habe, also beispielsweise Henning Eichberg. Auch die Texte der konservativen Revolution haben mich geprägt. Die Fragen von Nation, Identität, Nationalismus, Weltordnung, Ökologie. Ich will mich jetzt nicht als Unpolitischen darstellen, der gar nicht gewusst habe, was er da tut. Natürlich entspringen meine Schriften meiner politischen Anschauung. Doch ich habe nach und nach gemerkt, dass das im Kern nicht richtig ist.

Gensing: Was meinen Sie konkret?

Molau: Nehmen wir die zentralen rechten Themen Kultur, Nationen und Völker – da hatte ich den Fokus darauf gelegt, es seien geschlossene Systeme. Ich habe nicht gemerkt, dass diese Systeme aber immer auch offen sind.

[…]

Gensing: Warum kommt die NPD nicht weg von dem NS-Bezug? Warum hat Voigt diesen Vorschlag nicht umgesetzt?

Molau: Weil der Nationalsozialismus Kern seiner Anschauung ist. Die Partei definiert sich darüber. Und das Gefühl im rechten Lager sieht so aus: Man identifiziert sich über das “3. Reich”, weil man das Gefühl hat, eine geschlagene Nation zu sein. Man habe keine Identität und die Deutschen dürften nicht stolz auf ihr Land sein. Daran schuld sind dieser Denkweise zufolge die bösen Alliierten. Da man angeblich nicht darüber reden darf, ergibt sich die Pflicht, die Geschichte reinzuwaschen, um sein Nationalgefühl zu rechtfertigen.

[…]

Gensing: Sie wurden danach in der Szene im NS-Jargon als “Achteljude” bezeichnet. Ein Einzelfall?

Molau: Man spricht in NPD-Runden auch mal darüber, was man so liest. Und da sagte ich, mein Lieblingsautor sei Erich Kästner. Andere NPDler meinten dann, gut, dass dieses „Schwein“ im NS nicht publizieren durfte. Genauso bei jüdischen Musikern. In der internen Diskussion kann man dann schon sagen: “Leute, das kann doch nicht euer ernst sein!”

Gensing: Auch bei den Nationalkonservativen, zu denen ich Sie zählen würde, ist oft die Rede von deutscher Identität, Heimat und Kultur. Warum wird das so wenig mit Leben erfüllt?

Molau: Weil sie zu weit von der Gesellschaft entfernt sind. Ich habe festgestellt, dass jeder Heimatverein, jeder Fußballverein, jede Freiwillige Feuerwehr, jedes Engagement an der Basis, dass da eben viel mehr für die Identität gemacht wird, als in diesen rechten Zirkeln, die das für sich in Anspruch genommen haben.

[…]

Gensing: Das Bild, das in den Fachmedien von der NPD gezeichnet wird, ist das realistisch? Liegen die relevanten Informationen auf dem Tisch?

Molau: Es gibt sehr kenntnisreiche Berichte über diese Szene. Die wesentlichen Elemente der Ideologie sind öffentlich. So eine Partei muss nicht geheimdienstlich ausgespäht wird. Alles was Udo Pastörs oder Holger Apfel sagen, ist bekannt. Das kann ich nur ergänzen um einzelne Geschichten. So wollte ich einen Diskussionsbeitrag in der “Deutschen Stimme” um eine Position erweitern, wonach Ausländer, die sich integrieren wollen, in Ordnung seien. Apfel bekam einen Tobsuchtsanfall. Er will keine moderne Partei, für ihn sind alle Ausländer unerwünscht.

[…]

http://www.publikative.org/2012/07/30/molau-meine-ideologie-war-im-kern-nicht-richtig/

Kurz nachdem in den Medien bekannt wurde, dass Andreas Molau pro NRW verlassen hat, wurde folgende Presseerklärung veröffentlicht:

Personelle Neuausrichtung: Andreas Molau legt auf Wunsch des PRO-NRW-Vorsitzenden alle Ämter nieder
29.07.2012

Auf ausdrücklichen Wunsch des Parteivorsitzenden Markus Beisicht hat Andreas Molau bereits Anfang Juni 2012 alle Parteiämter niedergelegt und sich aus der Bürgerbewegung zurückgezogen. […]

Komplette Erklärung hier lesen: pro-nrw.net/?p=9209

Nun hat sich Andreas Molau zur Erklärung geäußert. Dort klingt die Sache breits ganz anders:

Molau habe „auf ausdrücklichen Wunsch“ von „pro“-Chef Markus Beisicht bereits Anfang Juni alle Parteiämter niedergelegt und sich aus der Bürgerbewegung zurückgezogen.

Zweifel an dieser Darstellung drängen sich auf. Und auch Molau widerspricht seinem Ex-Vorsitzenden Beisicht: „Weder hat er mich um einen Austritt gebeten, noch habe ich das im Juni getan.“ Ende letzter Woche sei er ausgetreten, erklärte Molau auf Nachfrage. „Unter dem Eindruck dieser Austrittserklärung“ habe ihm Beisicht sogar noch am Sonntag per SMS „neue finanzielle Spielräume“ in Aussicht gestellt und versichert, er wolle ihn dabei nicht „unkameradschaftlich übergehen“. Beisichts Erklärung, so Molau, belege „einmal mehr sein sehr flexibles Verhältnis zur Wahrheit“.

Gegen die Version einer bereits vor Wochen vollzogenen Trennung spricht auch, dass die angebliche „Bürgerbewegung“ Molau bis zur Stunde in der Liste ihrer Vorstandsmitglieder führt. Erstaunlich wäre auch, dass fast zwei Monate lang Mitglieder und Öffentlichkeit nicht über das Ausscheiden Molaus unterrichtet worden wären – obwohl doch sein Engagement als Belastung erkannt worden sein soll. Und nicht zuletzt: Molau war zwar der bekannteste Ex-NPDler in den Reihen der „Bürgerbewegung“, aber beileibe nicht der einzige. Von weiteren „Trennungen“ ist freilich nichts bekannt.

http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/schlussstrich-unter-eine-karriere

Ich habe mittels http://www.web2pdfconvert.com/ auch noch einen Screenshot des Google-Cache der Unterseite „Menschen“ der Website von pro NRW angefertigt. Die Seite im Google-Cache stammt vom 22. Juli und Molau wurde zu diesem Zeitpunkt immer noch als Beisitzer geführt. Dies deckt sich somit eher mit der Aussage Molaus als der Aussage Beisichts, dass Molau bereits Anfang Juni alle Parteiämter niedergelegt haben soll.

https://kaiserlichemajestaet.files.wordpress.com/2012/07/www-pro-nrw-net-page_id2-22-juli-2012.pdf

Update 04.08.2012:

[…]

Stefan Laurin: Wie kann es nach den Verbrechen der Nazis eine positive Bezugnahme geben, die ja nötig ist, um jedes Mitleid zu unterdrücken?

Molau: Die Verbrechen werden relativiert: Auch die Briten hatten Konzentrationslager im Burenkrieg, die USA hatten Rassengesetze und haben die Indianer fast ausgerottet. Nazis wollen stolz auf die deutsche Vergangenheit sein. Niemand sieht, dass man die deutsche Literatur oder die Landschaft lieben, und trotzdem die Verbrechen der Nazis verabscheuen kann.

[…]

Stefan Laurin: Pro NRW wird vom Verfassungsschutz in NRW beobachtet und gilt als rechtsradikal. Sie kennen die Organisation von innen.

Molau: Viele bei Pro NRW sind bürgerliche Konservative und keine Rechtsradikalen. Auch in der Spitze gibt es Konservative, wie Judith Wolters. Aber die haben zum Teil nicht begriffen, in welche Richtung der Pro-Zug fährt. Markus Beisicht ist ein klassischer Rechtsextremist. Dann gibt es noch die PI-News Fraktion. Die geben sich pro-israelisch und pro-westlich, sind aber knallharte Rassisten. Wenn man in den Texten dieses Blogs das Wort Muslim gegen Jude austauscht, ist deren Gedankengut eigentlich offensichtlich: Klassischer Rechtsextremismus.

http://www.cicero.de/berliner-republik/interview-npd-aussteiger-andreas-molau-ich-war-kein-opfer/51435

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6 Antworten

  1. das jemand wie molau bei pro nrw mitgemacht hat, spricht leider nicht für die partei. zwischen der npd und pro nrw bestehen inhaltlich deutliche differenzen, zudem die npd (inoffiziell) ja auf die abschaffung der demokratie hinarbeitet. trotzdem finde ich es gut, dass es mit pro nrw und die freiheit zwei demokratisch gesinnte parteien gibt, die sich für bürgerrechte und gegen islamisierung/überfremdung aussprechen. dafür kassieren sie von der überwiegend linken presse natürlich ständig watschen, aber… viel feind, viel ehr 😛

  2. Da besteht doch ein Widerspruch, denn wenn man für Bürgerrechte ist, dann doch auch für Bürgerrechte für „Fremde“ (in Anführungszeichen, da es sich meistens nicht um Fremde handelt) und muslimische Mitbürger.

  3. nö, sehe da keinen widerspruch. als deutscher bürger interessiere ich mich in erster linie für deutsche belange. ich teile die ansicht, dass es hier zu viele fremde (ohne anführungszeichen) gibt. einwanderung muss stärker begrenzt, möglichst gestoppt werden. bei den moslems sollte man hinschauen, wo die religiösen extremisten sitzen und diese ggf. ausweisen. mehr verlangt pro nrw oder die freiheit nicht und das ist ganz in meinem sinne. sorry, wir werden bereits offtopic. hier ging es ja um andreas molau.

  4. Zu den deutschen Belangen zählen natürlich auch die Belange der deutschen Muslime. Schließlich sind dies ja auch deutsche Bürger. Was Fremde betrifft, kann ich natürlich nicht wissen, wer für Sie als Fremder zählt. Für mich sind alle deutschen Staatsangehörigen keine Fremden. Dies dürfte sicherlich eine Art Minimalkonsens sein, denn so sieht das deutsche Recht aus. Als Fremde sehe ich eher Touristen oder Leute, die herkommen und vorhaben später wieder zu gehen,usw.

    Was das Offtopic betrifft, so machen Sie sich keine Sorgen, denn schließlich spricht Molau ja über pro NRW.

  5. unsere meinungen gehen hier erwartungsgemäß auseinander. das macht aber nichts. schönen tag noch.

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